In eigener Sache, in unser aller Sache

Liebe Freunde / Liebe Kollegen / Liebe Leser,

 

wir haben wohl alle gerade ein riesengroßes Problem. Eine Situation, die sich uns vor einigen Tagen noch als handelbar darstellte, bedroht unsere Gesundheit und unsere Existenzen. Genau vor einer Woche wollten wir unseren 30. Geburtstag feiern und bemühten uns, aus der Absage der Leipziger Buchmesse das beste zu machen, was möglich schien. Nur 4 Tage später wurden aufgrund der sicher notwendigen Regelung der Sächsischen Landesregierung alle Buchhandlungen für den Publikumsverkehr geschlossen, was praktisch einem Arbeitsverbot für uns gleichkommt. Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung wurde von uns vor drei Jahrzehnten aus dem Nichts aufgebaut. Wir haben unsere beiden Geschäfte, die eben noch lebendige Inseln der Literatur waren, wir haben einen Verlag mit großartigen Autoren, der schon viele Preise nach Leipzig geholt hat, wir haben 8 Angestellte sowie einige freie Mitarbeiter, und noch vor wenigen Tagen hätte ich jedem stolz gesagt, wir seien ein solide aufgestelltes Unternehmen, das auch Krisen meistern kann. Wir könnten notfalls 4 Wochen ohne Einnahmen leben, wir könnten dies vielleicht auch 5 Wochen schaffen, dann jedoch haben wir praktisch keinerlei Rücklagen mehr und müssten unsere Zahlungsunfähigkeit eingestehen. Dann nützen uns auch die großartigsten Bücher in den Regalen nichts mehr. Wir wissen, es gibt Bundesländer wie Berlin oder Sachsen-Anhalt, in denen zur Stunde Buchhandlungen als systemrelevante Unternehmen, die für die Grundversorgung der Bevölkerung nötig sind, gelten und weiterarbeiten dürfen, aber uns obliegt es nicht, hier Diskussionen zu führen.

 

Uns läuft die Zeit davon. Es bräuchte innerhalb kürzester Zeit Geld zur Überbrückung eines bislang unabschätzbaren Zeitraumes, Geld für die weiterlaufenden Kosten unseres Betriebes. Ich habe schon vor Tagen mit unserer Hausbank darüber gesprochen, prophylaktisch sozusagen, und wurde hier belehrt: Es dauere, ich möge mal Bilanzen und aktuelle BWAs einreichen, und dann könne man vielleicht in ein paar Wochen über einen zeitlich beschränkten Überziehungskredit sprechen. Fördermittel, KfW? Das würde wohl länger brauchen, vielleicht bis Mai. Trotz laufender Kosten -  Krankenkassen beispielsweise ziehen die Beiträge im voraus ein - die Beiträge für 04/2020 noch im März. Diese Problematik ist noch längst nicht bei allen Branchenkollegen angekommen, es gibt Lieferanten, wie eine große Gruppe deutscher Verlage, die bislang nicht mal ein Aussetzen der Zahlungen für einen bestimmten Zeitraum tolerieren mochten.

 

Aber: Miteinander ist jetzt gefragt! Wir halten jetzt zusammen, oder wir gehen alle zusammen unter.

 

Es gibt in diesen wirren und schnellgeschnittenen Zeiten aber auch großartige und bewegende Beispiele von Solidarität. Menschen bestellen Bücher, auch wenn die Wege unbequem sind (siehe unten) oder bieten uns gar an, privat Geld zu leihen. Das macht natürlich Mut und gibt Kraft zum Weitermachen.

Aber dennoch: Wir - und ich meine aus buchhändlerischer und verlegerischer Sicht auch praktisch alle Kollegen aus der Branche - stehen jetzt und hier am Abgrund. Nur wenn die Corona-Krise in einem überschaubaren Zeitraum bewältigt wird und wir wieder arbeiten können, wird es ein Morgen geben.

ZUSAMMEN und nur ZUSAMMEN kann das gelingen. Ich weiß, meine Worte sind sehr drastisch, aber ich möchte es in diesem Moment so formulieren, damit es ernst genommen wird.

 

Und bitte denken Sie daran:

 

Kaufen Sie Bücher bei unabhängigen Buchhandlungen und Verlagen!

Kaufen Sie bei Unternehmen, die hier im Lande Steuern zahlen!

 

Bleiben Sie gesund!

 

Peter Hinke für die Connewitzer Verlagsbuchhandlung

  

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Kommentare: 2
  • #1

    Ulrike (Donnerstag, 26 März 2020 15:47)

    Hallo Herr Hinke,
    Sehr geehrte Literaurschaffende/-arbeitende Menschen,

    Ich fände es klasse, wenn Sie wie bspw. das Mala in Neustadt-Neuschönefeld eine Spendenaktion starten würden. Denn ich habe mich reichlich mit Literatur bei Ihnen letzte Woche eingedeckt und muss das erst einmal alles lesen ehe ich mich neu versorge :). Unterdessen würde ich für meinen Teil durchaus auch an Unternehmen Geld spenden ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Einfach, weil mir diese wie das Ihrige wichtig sind und ich mir wünsche, dass diese auch nach der Krise noch bestehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrike

  • #2

    Katja W. (Mittwoch, 01 April 2020 20:55)

    Ihr Buchhandlung liegt mir sehr am Herzen. Wie können wir helfen (außer Bücher zu kaufen)?
    Gibt es eine Spendenaktion? Wo finde ich diese?
    Viele Grüße!

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Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
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