Julius Becke ist verstorben

Julius Becke als Kind, Foto: CVB-Archiv
Julius Becke als Kind, Foto: CVB-Archiv

Wie wir jetzt erst erfuhren, verstarb unser Autor Julius Becke am 3. Dezember 2018 in seiner Wahlheimat Bad Homburg. Julius Becke, der 1927 in Leipzig geboren wurde, bereicherte unseren Verlag durch sein poetisches, literarisches Erinnerungsbuch "Really the Blues", welches im Jahre 1999 auf Initiative von Bernd-Lutz Lange hin erschien und welches man u.a. auch als wertvollen Beitrag zur Leipziger Jugendkultur der 30er und 40er Jahre lesen kann. Peter Härtling schrieb treffend dazu: "Ich bin immer noch mitgenommen, irritiert und verblüfft von raschen, suchenden Sätzen, einer ungeduldigen wie ratlosen Erinnerungsbewegung." Die Gespräche mit Julius Becke haben uns bereichert, seine Erzählungen leben weiter.

 

POGROM (aus dem Buch "Really the Blues")

 

Mein Vater hatte sich die Seele aus dem Leib gejagt, um in Europa und Übersee Klaviere zu verkaufen. Für die Kolonialisten hatten sie gar ein tropenfestes Klavier entwickelt. Onkel Moritz war Republikaner und redete über Spinoza. Die meisten Bemerkungen über ihn hatten einen Unterton: Er sitzt noch morgens um zehn beim Kaffee und liest Zeitung. Am 10. November 1938 vormittags klingelte es stürmisch. Meine Tante schleppte Onkel Mor zur Tür herein. Meine Mutter warf eine Handvoll Goldmünzen in die tiefen Ritzen der Polstermöbel. Ich wurde ins Kinderzimmer geschickt. Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang zum Augustusplatz. Die Schaufenster vom Kaufhaus Bamberger & Herz waren zertrümmert, Fetzen von Kleidungsstücken lagen auf der Straße. Wir hatten dort oft eingekauft. Schöne Sachen. Ich war eitel. Das kann man doch nicht machen, sagte meine Mutter. Die schönen Kleider. Noch Jahre später sind wir gelegentlich hineingefahren in die Lederschächte der Polstermöbel. Wahrscheinlich waren Goldstücke damals anmeldepflichtig. Sie waren die ersten Gedanken meiner Mutter. In Berlin gab es ein jüdisches Altersheim. Wohl das letzte noch im Lande. Meine Tante brachte Onkel Mor dort unter. Er starb bald. Zu seinem Glück. In Chagalls Bildern habe ich ihn wiedergesehen. Er flog am Himmel mit der glutäugigen Christin, und die Welt stand auf dem Kopf unter ihnen.

 

Becke, Julius - Really the Blues
Eine Jugend 1927–1948   120 Seiten, schön gebunden, mit Schutzumschlag ISBN 978-3-928833-88-2   Julius Becke, geboren 1927, erzählt die Geschichte seiner Kindheit und Jugend in Leipzig, im Kriegseinsatz und in der ... (mehr lesen)
14,90 € 1

HIER FINDEN SIE UNS AUCH BEI INSTAGRAM:

Wörtersee der Connewitzer Verlagsbuchhandlung

Mo-Fr 10-19 Uhr / Sa 10-15 Uhr

Peterssteinweg 7

04107 Leipzig

Bestelltelefon 0341/ 224 87 83

E-Mail: woertersee@hotmail.de

------------------------------------------------

Connewitzer Verlagsbuchhandlung im Specks Hof

Mo-Fr 10-19 Uhr / Sa 10-16 Uhr

Specks Hof / Schuhmachergäßchen 4

04109 Leipzig

Bestelltelefon 0341/960 34 46

E-Mail: connewitzer@gmx.de

IN DER 1. ETAGE IM SPECKS HOF UND IM WÖRTERSEE

FINDEN SIE JETZT KALENDER FÜR DAS JAHR 2021 -

 - ZUM BEISPIEL "TIERE 2021" VON DER LEIPZIGER ILLUSTRATORIN KATJA RUB

Kostenlos abonnieren: Der Literaturkurier ist wieder da! Jeden Donnerstag verschicken wir ein handverlesenes Gedicht, Literatur- und Veranstaltungstipps sowie Hinweise auf literarische Sendungen in Funk und Fernsehen. Anmeldung einfach per Mail an unsere Adresse: woertersee@hotmail.de.

Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.