Ymir oder Aus der Hirnschale der Himmel

 

Auf der Leipziger Buchmesse hatten wir einen neuen, sehr netten Standnachbarn, den Erlanger Homunculus Verlag, der einige vielversprechende Bücher zu bieten hat ("Seefahren macht besser" oder Klassiker wie Heinrich Spoerl, Carl Einstein, ETA Hoffmann).

 

Unser Autor Alexander Diener entdeckte hier

Nazis auf der Suche nach dem Ur-Arier

Wie wäre es mit einem Roman, dessen Handlung damit einsetzt, dass drei Nazis im Jahr 1939, am Vorabend des Krieges, über Island zum Landeanflug ansetzen (nicht ohne trashige Kotz-Szene) und der Erzähler den Himmel mit der Innenseite der Hirnschale eines Riesen aus der nordischen Mythologie vergleicht? Mit dieser Szene beginnt der Roman Ymir oder Aus Hirnschale der Himmel, das Debut des 1988 in Amsberg geborenen Philip Krömer.

 

Genauer gesagt sind es wohl nur zwei Nazis: Der SS-Mann KleinHeinrich, dem großen Heinrich unterstellt, sowie ein lediglich VonUndZu genannter Dandy, der Mitglied der NSDAP ist und ein Koffergrammophon samt Wagner-Platten mit sich herumschleppt. Der Erzähler selbst heißt Karl und scheint trotz seiner ununterbrochenen Bereitschaft, überall Spuren nordischer Sagengestalten zu erblicken, unpolitisch wie ein 1988 Geborener. Als unbekannter Schreiberling wurde er vom großen Heinrich für die strenggeheime Entdeckungsmission engagiert, denn man braucht einen „Erzähler, der nachher alles zu Literatur macht“.  Denn Epochales scheint vor sich zu gehen unter der Erde Islands: Beim Bau eines Schutzbunkers stößt die Bohrmannschaft aus Norwegen auf ein Loch, das in ein unbekanntes Höhlensystem führt. Unsere drei Helden begeben sich auf eine wahnwitzige und kaum nacherzählbare Entdeckungsreise, inklusive Gruselszenen, überraschender Romantik und einem kein bisschen filmreifem Showdown. Finden sie das sagenumwobene Land Agartha und Spuren eines mythischen, arischen Urmenschen im Erdinneren?

Die Beschreibungskunst des Autors sprüht vor trockenem Humor. Die Helden erreichen den Bunker, Einführung einer Nebenfigur: „Zuerst tritt uns aus der Luke allerdings eine vorgehaltene Waffe entgegen, dahinter ein Uniformierter von durchschnittlicher Körpergröße, mit glatten Zügen, die Uniform sitzt und allein der wilhelminisch ausladende Schnurrbart macht ihn durch alle militärischen Gleichschaltungsinstanzen hindurch zum Individuum. Ich will ihn darum Schnurri nennen.“

Solche Sätze finden sich auf nahezu jeder Seite von Ymir. Fröhlich spielt – oder besser gesagt: jongliert – Krömer mit Anspielungen auf Zeitgeschichte, Gegenwart, Poetologie, die phantastische Literaturgeschichte von Wells bis Carroll, mit erzählerischer Selbstironie, mit Kalauern, Trash und Ernsthaftigkeit, mit seiner spürbaren Freude am Formulieren und führt auf diese Weise seine Helden ihrem verdienten Ende entgegen.// Alexander Diener  

 

Krömer, Philip :   Ymir .  
Oder: Aus der Hirnschale der Himmel .   2016 .   216 S.   Mit 41 schwarz-weißen Abbildungen.   
978-3-946120-18-6     
 - homunculus verlag -   
GEB        19.90 EUR       
    

 

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Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.

 

DR ABBEL UN DE NUSS

 

Ä Abbel hing am Weihnachtsboom

Un dachte in sein Griebse:

De goldche Nuß am Zweich da ohm, Das wär mei Fall. Ich liebse.

 

De gleene Nuß war ihrerseits

Däm Abbel ooch gewoochen.

Un so hat jeder dorch sein Reiz

Dn andern angezoochen.

 

Se dreimten beede vor sich hin

Un winschten bloß das eene:
Ämal im gleichen Maachen drin
Zu schtärm. Ach wär das scheene!

 

Lene Voigt

 

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