Buch des Monats Dezember - Robert Seethaler: Der Trafikant

Es gibt Romane, von denen weniger die Handlung oder die Charaktere in Erinnerung bleiben, als die Orte, die sie erschaffen. Beispiele für solche Orte sind das orientalische London aus Stevensons New Arabian Nights oder das magische und unheimliche Prag zu Beginn des letzten Jahrhunderts, das in Gustav Meyrinks Der Golem und Leo Perutz‘ Nachts unter der steinernen Brücke erkundet wird.

In seinem Roman Der Trafikant lässt Robert Seethaler den 17-jährigen Franz Huchel Heimatdorf und Mutter verlassen, um im Wien des Jahres 1937 sein Glück als Trafikanten-Lehrling zu suchen. Bei seiner Arbeit und seinen Abenteuern in der Stadt erfährt Franz, dass nur Zeitungsleser wirkliche Menschen sind; dass man kein Raucher sein muss, um Zigarrenkenner zu sein; dass die Liebe ein Albtraum sein kann; dass auch ein Professor namens Sigmund Freud für die Damenwelt keine Erklärung findet; und dass sein mangelndes Interesse an der bedrohlichen Weltpolitik nicht dazu führt, dass die Weltpolitik vor seiner Tür Halt macht. Ohne zu viel zu verraten kann man sagen, dass Franz sich am Ende zu einem traurig-schönen politischen Protest hinreißen lässt.

Historische Romane genießen nicht den besten Ruf; Seethaler zeigt, dass es anders geht: Die Gespräche zwischen dem gewitzten Dorfjungen und dem alten Professor sind pointiert und spannend, ebenso der Postkartenaustausch mit der Mutter in der Heimat. Die Liebesgeschichte zwischen Franz und Anezka, einer böhmischen Varietékünstlerin mit Zahnlücke, umschifft jede Sentimentalität. Die Figur des kriegsversehrten Trafikanten, der Franz aufnimmt, hätte bemitleidenswert geraten können, strahlt dazu jedoch zu viel Stolz aus.

Doch was am stärksten von diesem Buch in Erinnerung bleiben dürfte, ist seine Kulisse: Abenteuerlich und verworren sind die Pfade, auf die Franz bei der Suche nach Anezka im abendlichen Wien gerät und die der tragischen Geschichte einen magischen Hauch verleihen. Der Trafikant ist ein kurzer Roman, der mit einer Reihe erinnerungswürdiger Charaktere bekannt macht und nebenbei einen Ort erfindet, an den der Leser gerne zurückkehren wird. – A.D.

Robert Seethaler: Der Trafikant (Taschenbuch)
Kein und Aber Verlag
978-3-0369-5909-2
9,90 Euro

 

 

 

 

 

 

Robert Seethaler lesen ist wie Kakao-mit-

Schlagsahne-Trinken und Trüffel-Quark-Sahne-Torte-Essen beim Café Kandler im Specks Hof.

 

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Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.

 

DR ABBEL UN DE NUSS

 

Ä Abbel hing am Weihnachtsboom

Un dachte in sein Griebse:

De goldche Nuß am Zweich da ohm, Das wär mei Fall. Ich liebse.

 

De gleene Nuß war ihrerseits

Däm Abbel ooch gewoochen.

Un so hat jeder dorch sein Reiz

Dn andern angezoochen.

 

Se dreimten beede vor sich hin

Un winschten bloß das eene:
Ämal im gleichen Maachen drin
Zu schtärm. Ach wär das scheene!

 

Lene Voigt

 

(aus dem "Kleinen Lene Voigt Buch")

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