Großer Bahnhof zum Abschied

Diogenes Verlag: Andrea und Wilfried Erler verabschieden sich in den Ruhestand

Edda Striemer, Wilfried und Andrea Erler auf der Frankfurter Buchmesse 1995 // Foto:  © Diogenes Verlag
Edda Striemer, Wilfried und Andrea Erler auf der Frankfurter Buchmesse 1995 // Foto: © Diogenes Verlag

Kaum zu glauben, aber wahr: Unsere Diogenes-Verlagsvertreter Andrea und Wilfried Erler gehen in den Altersruhestand. Am Wochenende wurden sie in der historischen "Schalterhalle" des Leipziger Bayerischen Bahnhofs im Beisein vieler Buchhändler verabschiedet. 1990 war es der Verleger Rudolf C. Bettschart persönlich, der die beiden Leipziger für den Diogenes Verlag als Verlagsvertreter gewinnen konnte. Andrea Erler, die schon zu DDR-Zeiten indirekt für den Verlag tätig war, da sie Druckaufträge aus der Schweiz für Leipziger Betriebe koordinierte, war das damalige Angebot zunächst nicht geheuer. Ihr Argument, daß sie keinen Führerschein besäße, ließ der Diogenes-Verleger jedoch nicht gelten. Er verpflichtete kurzerhand Wilfried Erler, ihren Mann, der nach einer aktiven Fußballerkarriere zuletzt einen ambitionierten DDR-Ligisten trainiert hatte. Perfekt war das neue Erfolgsteam. Schon einige Wochen später rumpelten sie im bücherbeladenen VW Golf über die Straßen des Reisegebietes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Buchhandelslandschaft der eben verblichenen DDR war seinerzeit völlig im Umbruch begriffen. Taschenbücher von Chandler, Hammett, Highsmith  waren die Diogenes-Türöffner im Osten, ansonsten waren es dann bald Loriot, Dürrenmatts Klassiker und Süskinds "Parfum", die die Auftragsblöcke nach und nach füllten. Die Diogenes-Erfolgsgeschichte - der Verlag wurde nicht zufällig auch von den Buchhändlern sehr oft zum Verlag des Jahres gekürt - beruhte und beruht natürlich auf großartigen Büchern, einer originellen Vermarktung und natürlich auf Mitarbeitern wie den Erlers, die für den Verlag brennen, aber auch die Situation vor Ort genau kennen. So gesehen waren sie auch eine Art Botschafter, zu deren Aufgaben es bei Lesereisen auch gehörte, Autoren wie Donna Leon oder Martin Walker durch ostdeutsche Lande zu begleiten. Nach 24 Jahren nehmen sie nun Abschied. Die langjährige Diogenes-Vertreterin Edda Striemer erweitert ihr Reisegebiet. Wir, die Mitarbeiter der Connewitzer Verlagsbuchhandlung, wünschen Andrea und Wilfried Erler herzlichst alles Gute und hoffen sehr, daß der Diogenes Verlag, bei dem es zuletzt - zumeist alterbezogene - Umbrüche gab, auch in diesen Zeiten sein glückliches Händchen und seine Phantasie behält. Wir Leser und Buchhändler werden es auch in Zukunft danken!

 

Fotos zum Draufklicken:

Bild links: Abschied in der Schalterhalle des Bayerischen Bahnhofs

Bild mitte: (v.l.n.r.) Andrea Erler, Diogenes-Geschäftsführer Stefan Fritsch, Edda Striemer, Wilfried Erler

Bild rechts: Andrea und Wilfried Erler: Sehen so Rentner aus? - Fotos: P. Hinke / CVB

Als unbedingter Lesetipp: Eine der schönsten und unterhaltsamsten Verlagsgeschichten:

Diogenes. Eine illustrierte Verlagschronik mit Bibliographie 1952-2002. Herausgegeben von Daniel Kampa. Mit über 1600 Fotos, Zeichnungen und Faksimilies. 978-3-257-05600-6 / 15,00 Euro

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Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
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Pressestimmen zu Bernd Schirmer "Silberblick":

"Der Roman Silberblick ist ein wunderbares, ein gelungenes und auf stille Weise sehr wichtiges Buch, das sich gerade deshalb allen Superlativen entzieht." - Undine Materni / Sächsische Zeitung

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"Der »Silberblick« ist der Blick, der das Daneben sieht, die andere Möglichkeit. Taten und Tatsachen der DDR-Realität sind das Eine, erzählerisch ergiebig wird es erst recht, wenn - und Schirmer gelingt das wie nebenbei - die Stimmungen und Mentalitäten dahinter erkundet und erhellt werden. Wenn die Riten und Gepflogenheiten im beruflich-gesellschaftlichen Umgang subtil geschildert, die Redeweisen, Formeln und Floskel, die in der Öffentlichkeit gang und gäbe waren, lustvoll archiviert werden." - Jürgen Engler / Neues Deutschland

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"In der Geschichte wird politisiert, und es wird getrunken, zunächst die bulgarischen und ungarischen Tropfen, ehe man Bordeaux und Sancerre, Silvaner aus dem Elsass und Burgunder genießen kann. (...) Das alles wird mit Nachdenklichkeit und Ironie, mit Humor und Traurigkeit erzählt, eine Lebens-Geschichte, wie sie sich immer wieder ereignet." - Klaus Walther / Freie Presse

 

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