Das Buch im Februar: Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Bestseller schön aufgemacht
Bestseller schön aufgemacht

Es war ein kluger Schachzug vom DuMont Buchverlag, den neuen Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" des japanischen Autors Haruki Murakami direkt nach dem Weihnachtsgeschäft Anfang Januar auf den Markt zu bringen. Einen Monat vorher hätte der Titel mit dem "Der Analphabetin, die rechnen konnte" von Jonas Jonasson, den neuen Kurzgeschichten von Alice Munro oder Khaled Hosseinis "Traumsammler" noch äußerst verkaufsstarke Konkurrenz gehabt, so schlug er allerdings mit geballter Wucht ein - aus dem Stand Platz 1 der Bestsellerlisten, sich vor Lob überschlagende Kritiken in den großen Feuilletons und laut DuMont schon über eine Millionen ausgelieferte Exemplare. Auch bei uns ist der Roman seit Wochen auf Platz 1 der Verkaufslisten. Der vermittelte Eindruck: Ein Meisterwerk im Bestsellerformat des notorischen Nobelpreiskandidaten. Zeit für eine Prüfung.

 

Grandios ist zunächst einmal die gestalterische Aufmachung von "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki". Durchsichtiger Schutzumschlag mit bunten Farben in Form von Schmetterlingsflügeln auf weißem Karton - ein echter Hingucker!

Auch im Plot dreht es sich um Farbe und - man beachte den Titel - um Farblosigkeit. Tsukuru Tazaki ist Mitte Dreißig und hat ein Problem mit seiner Vergangenheit: Kurz nachdem er auf die Uni gegangen war, sagten sich seine vier besten und einzigen Freunde plötzlich von ihm los. Scheinbar ohne Grund wurde er aus der harmonischen und vollkommenen Gemeinschaft verbannt. 16 Jahre später wird Tazaki beim Sexualverkehr mit seiner neuen Freundin klar, wie sehr ihn die damaligen Ereignisse noch immer beschäftigen. Er geht der Sache auf den Grund und sucht nach und nach die Freunde von damals auf.

Die Rolle der Farben: Während die vier anderen jeweils eine Farbe im Namen tragen, ist Tsukuru Tazaki farblos - und farblos, ohne besondere Eigenschaften, fühlt er sich auch. Er ist mittelgroß, mittelklug, mittel-gutaussehend, Ingenieur mit Vorliebe für Bahnhöfe, hat ein kaum ausgeprägtes Sozialleben, schwimmt gerne und hört sich ab und zu das Stück "Le mal du pays" von Franz Liszt an.

Es ist vor allem die Versöhnung mit der Vergangenheit und die Erkenntnis, dass das Leben wie eine schwierige Partitur sei, die Tazaki während seiner Pilgerjahre findet. Und damit wird auch dem Leser gesagt: Das Leben ist rätselhaft, aber nimms nicht so schwer!

 

"Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" ist das erste Buch, das ich von Murakami gelesen habe. Keine Frage: ich hatte mir mehr erwartet. Der Plot entwickelt seinen Sog erst spät, die Sprache ist mit esoterischen Weisheiten gespickt, die Dialoge sind häufig banal konstruiert. Welchen Anteil daran die Übersetzung trägt, kann ich nicht beurteilen.

 

Fazit: Ein Bestseller - von DuMont sehr geschickt platziert -, der jedoch von einem Meisterwerk nach meinem Dafürhalten weit entfernt ist. Den nächsten Murakami werde ich lesen, wenn er der Literaturnobelpreis bekommen hat. S.

 

Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Roman, 318 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe

DuMont Buchverlag, Köln

22,99 Euro

 

Die Bestseller im Monat Februar:

 

1. Haruki Murakami: "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" (Dumont, 22,99 Euro)

2. Gaito Gasdanow: "Ein Abend bei Claire" (Hanser, 17,90 Euro)

3. Franziska Wilhelm: "Meine Mutter schwebt im Weltall und Grossmutter zieht Furchen"

    (Klett-Cotta, 18,95 Euro)
 

 

 

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Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.
Lene Voigt (um 1910), Foto: Archiv der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.

 

DR ABBEL UN DE NUSS

 

Ä Abbel hing am Weihnachtsboom

Un dachte in sein Griebse:

De goldche Nuß am Zweich da ohm, Das wär mei Fall. Ich liebse.

 

De gleene Nuß war ihrerseits

Däm Abbel ooch gewoochen.

Un so hat jeder dorch sein Reiz

Dn andern angezoochen.

 

Se dreimten beede vor sich hin

Un winschten bloß das eene:
Ämal im gleichen Maachen drin
Zu schtärm. Ach wär das scheene!

 

Lene Voigt

 

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