Gerda Taros Bilder zerstört

Zerstört: Die Bildtafeln Gerda Taros am 04.08.16.  / Foto: Peter Hinke
Zerstört: Die Bildtafeln Gerda Taros am 04.08.16. / Foto: Peter Hinke

 

Als vor einigen Wochen das f/stop-Festival Teile seiner Ausstellung mittels Fototafeln in Alltagsorte der Stadt überführte, gab es hier für die Leipziger und ihre Gäste viel zu entdecken, neben den (Leipzig-)Bildern der Kriegsfotografinnen Lee Miller und Margaret Bourke-White u.a. die  Fotos von Gerda Taro, die als junge Frau mit ihrer Familie auch in Leipzig lebte.

 

Als Jüdin und Sozialistin flüchtete Gerta Pohorylle, wie sie ursprünglich hieß, 1933 von Nazi-Deutschland nach Paris, erfand sich dort unter dem Namen Gerda Taro neu. Sie lebte zusammen mit dem Photographen André Friedmann, wurde seine Schülerin. Beide erfanden als Kunstfigur Robert Capa und verpaßten ihm das Image eines reichen, amerikanischen Fotographen. Capa wurde einer der bedeutendsten Kriegsfotographen, gemeinsam gingen Sie als Bildreporter in den Spanischen Bürgerkrieg, ihre Fotos gingen um die Welt. Taro starb dort 1937. - Die Fototafeln von Gerda Taro in der Straße des 18. Oktober wurden in der letzten Nacht durch Unbekannte zerstört.

 

mehr über Gerda Taro und andere Leipziger Fotografinnen hier

 

lesenswert:

Schaber, Irme :   Gerda Taro, Fotoreporterin .  
Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie .   1. Aufl. .   2013 .   256 S.   m. 170 Fotos. .   275 mm .  978-3-89445-466-1   Jonas Verlag -  GEB   35.00 EUR       

 

Romanbiographie über Gerda Taro und Robert Capa:

Fortes, Susana :   Warten auf Robert Capa .  
Roman .   Übersetzung: Petrus, Judith .   1. Aufl. .   2016 .   224 S.   24 cm .  
978-3-86915-120-5     Ebersbach & Simon - GEB 19,90 EUR

 

Fotos: Peter Hinke

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Kommentare: 1
  • #1

    Hans-Jürgen Schwebke (Mittwoch, 24 August 2016 13:05)

    Erklärung des KFSR 1936-1939 e.V.

    Gerda Taro nach 1937 zum zweiten Mal ums Leben gekommen - in Leipzig 2016

    Die Mitglieder und Sympathisanten des Vereins "Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1926-1939 e.V. (KFSR)“ sind bestürzt und schockiert über die öffentliche Schändung und „bewusste Ausstreichung des Andenkens an eine jüdische Fotografin“, an Gerda Taro, und verurteilen diesen antisemitischen und antirepublikanischen Akt auf das Entschiedenste!

    Gerda Taro berichtete während des Spanischen Krieges 1936-1939 von der Aragon-Front und von der Zaragosa-Offensive, von den Kämpfen bei Córdoba und Toledo. Sie fotografierte beim II. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur im Juli 1937 in Valencia Schriftsteller wie Anna Seghers, Martin Andersen Nexö, Alexej Tolstoi oder Erich Weinert. Von dort aus ging sie unmittelbar an die Zentralfront, um den Kampf um Brunete zu dokumentieren.

    Gerda Taro wurde von einem republikanischen Panzer, einem T-26 sowjetischer Bauart, überrollt. Den Panzer steuerte Aníbal Gonzáles aus Albacete. Dieser schien nichts von dem tragischen Unfall gemerkt zu haben, denn gleich darauf überholte ihn ein anderer T-26, dessen Fahrer Fernando Plaza ihm dann zurief: „Te has cargado a la francesa!“ („Du hast die Französin überfahren!“).
    Experten, auch Historiker, die im KFSR 1936-1939 e.V. organisiert sind, recherchierten viele Dokumente. Die Sache trug sich während der Schlacht um Brunete zu und verlief wohl so: Deutsche Flugzeuge, Henkel 111-Bomber, Jäger Me-109B1 und Junkers-52 der „Jagdstaffeln“ der faschistischen Legion Condor bombardierten und beschossen unaufhörlich die zurückflutenden Republikaner. General Walter (Karol Waclaw Ṡwierczewski), der Kommandeur der 35. Division der Spanischen Volksarmee versuchte, die fliehenden Soldaten aufzuhalten. Panzer und LKW´s transportierten die Verwundeten in Richtung El Escorial ab, auch der Dienstwagen von General Walter, ein Chevrolet Matford, gesteuert von dem Tschechen Josef Edenkoffer war voll mit Verwundeten. Gerda, die auch aus der Frontlinie wollte, konnte nur noch auf dem Trittbrett mitfahren. Das war am 25. Juli 1937 gegen 18:30 Uhr.
    Die deutschen und italienischen Bomber kamen wieder und als besagter Panzer den PWK überholte, kam der PKW wegen der Explosion einer Bombe ins Schleudern, wurde von dem Panzer gestreift und Gerda Taro stürzte während des Fotografierens vom Trittbrett - gerade vor den Panzer. Der überrollte mit seinen 9,6 Tonnen ihren Unterkörper bis zur Hüfte. Sie wurde sofort geborgen und ins britische Feldhospital der 35. Division in El Escorial gebracht. Trotz Bluttransfusionen und Operationen verstarb Gerda Taro am Morgen des 26. Juli 1937.
    Zwei Tage später wurde sie in Valencia aufgebahrt und in einem offiziellen Trauerakt aus Spanien verabschiedet. Man überführte ihren Leichnam nach Paris, wo am 1. August 1937 eine überwältigende Trauerfeier unter Teilnahme zahlreicher Emigranten, Künstler und Intellektueller stattfand. Die Beisetzung erfolge auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.

    Die ehemaligen Angehörigen des Tschapajew-Bataillons, die sich noch lange mit Begeisterung an ihren Besuch bei ihnen an der Córdoba-Front erinnerten, und die nach der Auflösung der XIII. Internationalen Brigade der XI. Internationalen Brigade angehörten, verteilten einen Flugzettel über ihren Tod.

    Für uns ist Gerda Taro in Leipzig zum 2. Mal ums Leben gekommen. Als Jüdin musste sie Deutschland verlassen, deutsche Flugzeuge waren der Hauptgrund für ihren Tod. Es ist ein kaum zu überbietendes barbarisches Denken von Deutschen, nun auch noch das Andenken an sie in dieser Art zu besudeln.
    Mit Sympathie und in Solidarität sind wir mit den Organisatoren der Ausstellung, den vielen vor allem Leipziger Teilnehmerinnen an der Crowdfunding-Kampagne und bei den Kuratoren und wünschen uns nichts sehnlicher, als dass sie die Kraft und Mittel aufbringen und die Ausstellung neu installiert wird.

    Mitglieder des Vereins „Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939 e.V. (KFSR)
    Berlin, 24. August 2016

Bestelltelefon Specks Hof: 0341/9603446

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